Zurück zu den Wurzeln

Weihnachtstraditionen damals und heute

Zurück zu den Wurzeln
©shutterstock, Nomad_Soul

 

Lichterglanz, Plätzchenduft, süßliche Lieder, sorgsam unter blitzendem Lametta platzierte Geschenke und, und, und… Das alles ist Weihnachten und noch viel mehr. Denn kaum ein anderes Fest ist mit so vielen Bräuchen verbunden.

Weihnachtsmann, Christkind, Adventskranz & Christbaum lassen seit jeher Kinderaugen leuchten. Aber auch die Großen freuen sich alljährlich auf Adventskalender, Weihnachtsmarktzeit und den Heiligen Abend. Die Festrituale sind aber nicht unabänderlich. Von Region zu Region, von Land zu Land und zwischen den Kontinenten sowieso, gibt es facettenreiche Unterschiede. Und zur Kinderzeit unserer Urgroßeltern sah das heute übliche Weihnachtsfest mit Baum, Krippe, Weihnachtsliedern und Geschenken noch ganz anders aus.

Über allem lag eine große Heimlichkeit
Erst mit Einzug des Christbaums in die Stuben des 19. Jh. folgte christliche Tradition auf Bräuche heidnischen Ursprungs, in deren geheimnisumwitterten Nächten die Familie vorsorglich um den heimischen Herd zusammenrückte. Ein Bedürfnis, dass sich Weihnachten mit verlässlicher Regelmäßigkeit bis heute Bahn bricht. So saß man in Ostpreußen an den Adventabenden beieinander, spann Schafwolle, webte hübsche Gürtel, strickte Strümpfe und Handschkes für den Weihnachtstisch, während im Oderland vermummte Heischegänger & Schimmelreiter Lob und Tadel an die Kinder austeilten und das sorbische Bescherkind mit Weihnachtsgaben durch Lausitz und Spreewald huschte.

Das Erbe unserer Ahnen verhallt
Leider geht das Wissen um die alte Bräuche, wie sie früher gelebt wurden, immer mehr verloren. Viele Riten sind verblasst, neue haben sich etabliert und putzen die Relikte unserer Ahnen mit Meisterschaften im Christbaum-Weitwerfen, mit Weihnachtsmannparaden und Himmlischen Postämtern auf. Und während einstmals der Erbsbär das Böse vertrieb, sorgt heute „Last Christmas“ in der Endlosschleife für Furore in den Shoppingpalästen und der wahre Sinn der Weihnacht scheint zunehmend in lautstarkem Schlagergedudel und Konsumrausch unterzugehen. Alle stöhnen über Stress und Kommerz, aber alle machen mit, zwängen sich an Adventssamstagen in enge Innenstadt-Parklücken und schieben sich auf der Jagd nach Geschenken durch heillos überfüllte Ladenpassagen.

Sehnsucht nach dem Duft der Kindheit
Der heiligste aller Abende ist mit nostalgischen Sehnsüchten und Erwartungen aufgeladen. Allerlei Traditionen und Gepflogenheiten werden insziniert, denn an Weihnachten darf ja nichts schiefgehen. Da wird ein Programm abgespult, das auch schon beinahe einem Ritual gleichkommt. Vom Geschenke verpacken über den Baumschmuck bis zur letzten gefalteten Serviette wird der Festagsablauf zwischen Bescherung und Bratgans strategisch geplant, als gelte es, eine Schlacht zu gewinnen. Und dabei ist ein gelungenes Weihnachtsfest doch eigentlich ganz einfach: Mit ein wenig Bescheidenheit und Zurückhaltung in den heute meist übertriebenen Ansprüchen.
Früher... ja früher war Weihnachten echter, besinnlicher. Irgendwie weihnachtlicher eben!

Oh du fröhliche...
Aber auch in unseren Tagen ist Weihnachten das einzige Fest, das noch alle erreicht. Selbst wenn man will, kann man ihm nicht entfliehen – es sei denn, man flüchtet auf die Osterinseln. Notorische Weihnachtsverweigerer sind aber die Ausnahme. In der Regel bewegt sich die Reise entgegengesetzt: Heim ins Nest, und alle, die sich im Jahresturnus ziemlich auseinandergelebt haben, finden sich voller Weihnachtsharmonie am Fuße des familiären Lichterbaums wieder.

Rituale halten eben zusammen, was der Alltag entzweit hat. Sie geben der Weihnacht Struktur und laden zum Zusammensein zwischen Geschenke auswickeln und Gänsebraten ein.