Mit Ochs und Esel unterm Weihnachtsbaum

Ein wunderschöner Brauch findet alljährlich den Weg in Häuser und Kirchen – das Krippe aufstellen in der Advents- & Weihnachtszeit

Mit Ochs und Esel unterm Weihnachtsbaum
©Bay. Nationalmuseum München

 

Krippen sind als Adventsdekoration kaum mehr wegzudenken. Geben sie doch der weihnachtlichen Wohnstube eine noch festlichere Atmosphäre und schenken immer wieder ein wenig Hoffnung und Zuversicht.
 
Weihnachtskrippen gehen bereits aufs frühe Christentum zurück und zeigten nur das Christkind in der Futterkrippe liegend, mit Ochs und Esel. Niemand weiß, wann und wo genau die ersten Krippen auftauchten. Irgendwann im 12. Jh. waren sie plötzlich da – in Süditalien, Frankreich, Bayern… Nach der  Überlieferung war es der Heilige Franziskus, der 1223 als erster eine plastische Darstellung der Weihnachtsgeschichte verwirklichte. Ihre Blütezeit als realistische, phantasievolle Rekonstruktion von Jesu Geburt erlebte die Weihnachtskrippe aber erst gegen Ende des 17. und im 18. Jh. In Schloß- & Kirchenkrippen, wie auch in den Krippen des einfachen Volkes begann man, die Weihnachtsgeschichte auszuweiten und sie mit unzähligen Stationen zu ergänzen.

Innovative Inspiration der Kulturen
Der volkstümliche Krippenbau ist eine eigentümliche Mischung aus Kunst und Frömmigkeit. Die Vielfalt ist nahezu grenzenlos, denn für die Schöpfer, die diese Wunderwerke seit Jahrhunderten hämmern, schnitzen, modellieren und meißeln war und ist die Geschichte von Jesu Geburt ewige Inspiration. Jeder formt seine ganz eigene Interpretation der Ereignisse von vor über 2000 J. und stellt das Geschehen so dar, als läge Bethlehem vor seiner Haustür: Bayerische Hirten tragen die üblichen Trachten, in Japan bringen statt der Drei Könige Samurais die Geschenke, bei den Eskimos ersetzt ein Schlitten die Krippe und in Afrika ist das Christkind schwarz.

Nur selten findet sich in Volkstumskrippen der Versuch, die Szenerie originalgetreu nachzubauen, etwa durch orientalische Gewänder und Gebäude. Maria, Josef und Jesus werden im wahrsten Sinne des Wortes vergegenwärtigt. Sie sind schwarz, weiß, gelb und braun, tragen Ponchos, Dirndl, Bergstiefel oder Lendenschurz. Sie leben in Lehmhütten, Berghöhlen und Steinhäusern, trinken aus Kalebassen und Tonkrügen, essen Hirse, Reis und Maniok. Die Hl. Familie ist nichts Abstraktes, sondern steht mitten im Leben. Viele der Krippenwerke, äußerst kunstfertig gestaltet und oft atemberaubend schön, stammen aus unbekannter Hand. Krippen assoziieren sich mit Freiheit: Jeder Künstler bildet Christi Geburt ganz so nach, wie er sie sieht, oder hätte sehen wollen.

Die Hauskrippe
Weihnachtskrippen verbinden die Bilderwelt des Advent mit dem Dreikönigsfest. Sie werden in allen erdenklichen Stilen und Materialien gefertigt und sind in vielen Familien und Regionen bis heute nach wie vor als fester Bestandteil des Weihnachtsschmucks zentrales Element der Weihnachtsfeier. Maria, Josef und das Kind in der Krippe – man findet sie überall auf der Welt. Aus Ebenholz geschnitzt, aus Lehm modelliert, aus Keramik gegossen, aus Stein gemeißelt, aus Bananenblättern geflochten, selbst aus Staniolpapier gefaltet. Erzgebirgische Bauern, christianisierte Stämme im afrikanischen Buschland oder Indios in den Anden – sie alle stellen Jahr für Jahr im Dezember kleine Figuren auf: Die Hl. Familie mit Hirten, Ochs, Esel, Schafen und vielleicht auch das ein oder andere heimische Tier. Auch die drei Weisen fehlen nicht und eine Reihe von Figuren, die ihnen dort zugehörig scheinen, z.B. sie selbst – der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Die besondere Gestaltung der Krippenlandschaft ist vielerorts eine alte Tradition und die Szenerie wird in liebevoller, langwieriger Arbeit gestaltet und geschmückt. Der Aufbau beginnt meist am Nikolaustag. Die Ankunft der Weisen am 6. Januar oder die Flucht nach Ägypten am 14. Januar schließen das Krippenspiel ab und die Figuren werden bis zum nächsten Jahr sicher verwahrt.