Du lieber guter NIKOLAUS...

Nur wenige Wochen nach dem Sommeraus, noch ehe sich das Laub verfärbt hat und die Supermarktregale den Geruch der abgewanderten Osterhasen richtig verloren haben,

Du lieber guter NIKOLAUS...
shutterstock © Marcel Mooij

 

beginnt alljährlich der geballte Aufmarsch der Schokoladen-Nikoläuse.
Weihnachtslieder säuseln kaufanzeizend und penetrant aus den Lautsprechern, die Kaufleute demonstrieren mit der Galionsfigur der stillen Adventszeit geschäftige Advent- & Weihnachtsstimmung und es scheint ein wohliges, rotwarmes, goldschimmerndes Kinderparadies auf, in dem gütige Gerechtigkeit gilt und unverdient Geschenke verteilt werden.
Dieses Glücksgefühl ist personifiziert und hat einen Namen: NIKOLAUS ! 
…ein gütiger, rundlicher alter Herr mit üppig-weißem Rauschebart der seit Jahrhunderten als Geschenkeonkel sein Dasein fristet. Sein schokoladiges Pendant bereist mittlerweile über 40 Länder, ist unter dem Weihnachts- baum in Rom ebenso zu zuhause, wie auf den Gabentischen im spanischen Madrid und in den Stiefeln der Schweizer Eidgenossen.

Der echte Sankt Nikolaus lebte 340 n. Chr. als Bischof im türk. Myra und wird aufgrund seiner großen Mildtätigkeit auf allen Kontinenten rund um den Erdball bis heute verehrt. Alles was er besaß und darüber hinaus noch erbetteln konnte, schenkte er Armen & Kindern. In Europa ist Nikolaus der weithin bekannteste Heilige aller Zeiten, der so- wohl von der orthodoxen, wie auch von der luth.-ev. & kath. Kirche verehrt wird. Bis heute tragen in den Ostländern 1000de von Kirchen seinen Namen.

Nächtlicher Kinder-Beschenker...
Das heimliche, nächtliche Bringen von Nikolausgaben bürgerte sich ab dem 15. Jh. ein und seit dem 17. Jh. über- nimmt die Figur des Bischofs Nikolaus diese Aufgabe persönlich. Schon am Vorabend platzieren die Kleinen ihre blank gewienerten Stiefel & Schuhe vor der Tür – voller Hoffnung, dass sie der gute Rotrock reichlich mit Süßem und kl. Gaben füllt. Nicht selten pocht der gute Alte mit dem weißen Bart, der Bischofsmütze und dem roten Mantel am Abend aber auch direkt an die Tür oder stapft durch die nächtlichen Straßen. Bepackt mit einem Sack voller Ge- schenke für artige Kinder, fehlt jedoch auch die mahnende Rute für die weniger braven nicht. Mit großen Augen staunen die lieben Kleinen – aus respektvoller Entfernung versteht sich – nicht schlecht über das dicke Buch, aus dem der ersehnte Gabenbringer nicht nur ihre gute Taten, sondern auch all ihre kl. Schandtaten zum Besten gibt. Woher er das nur alles weiß…?

Vielerorts erscheint der Schutzpatron der Kinder in Begleitung finsterer Helfer in schwarzen Lumpen, behängt mit schweren Ketten und großem Sack, in dem ganz böse Kinder auch schon mal verschwinden... Für unartige und faule Knirpse haben Knecht Ruprecht, Hans Muff, Hans Trapp, Pelzmärtl, Klaubauf & Krampus allerlei Strafen im Gepäck, geizen bei braven und fleißigen Kindern aber auch nicht mit Belohnungen. So entwickelte sich der Niko- laustag zum alljährlichen Prüftag für die Kinder.

Martin Luther war es, der den Nikolaus im 16. Jh. fast arbeitslos machte... indem er gegen die Heiligen-Verehrung wetterte und Sankt Nikolaus als Gabenbringer ablehnte. Stattdessen erkor er den Hl. Abend zum Gabentag und ließ das Christkind die Geschenke bringen. Doch weder den lutherischen, noch den calvinistischen Kirchen gelang es, im Zuge der Reformation den Nikolauskult auszurotten – auch wenn der Nikolaus seither nur noch an seinem Todestag Socken, Schuhe & Stiefel befüllen darf…

Allerlei wüste Begleiter... stehen dem Nikolaus in vielen Regionen zur Seite – schließlich kann er nicht alle Kinder an nur 1 Tag ohne helfende Unterstützung besuchen…
Neben der feinen, liebenswürdigen Erscheinung des Hl. Bischofs, der für die Belohnung der Kleinen zuständig ist, übernehmen seine wilden, finsteren Begleiter die Bestrafung ungezogener und ungehorsamer Sprösslinge. Zu den bekanntesten Nikolausbegleitern gehören Knecht Rupprecht, Hans Muff, Beelzebub, Pelzmärtel, Rasselbock, Klaubauf & Krampus …und alle haben ihr ganz eigenes Verhalten und Erscheinungsbild.

So tritt der in Franken beheimatete Pelzmärtel  am 11.11. als Beistand des dort Gaben bringenden Sankt Martin auf. Da sich aber heutzutage sein Zuständigkeitsbereich auch auf brave Kinder erweitert hat, hat sich sein Aussehen vom Furcht verbreitenden, in dunklen Pelz gehüllten, bärtigen Unhold inzwischen dem des Hl. Nikolaus angepasst. Knecht Ruprecht und der Krampus entstammen urspr. der Perchtentradition, haben aber unterschiedl. Ausformung gefunden.
Im alpenländ. Adventbrauchtum Altbayerns, Österreichs & Südtirols entwickelte sich die Figur des Krampus, Bartl oder Klaubauf  aus den Figuren der Schierchperchten, die zum Rauhnacht- & Winteraustreibe-Brauchtum gehören. Während die in dunkles Zottelgewand gehüllten Krampusse heute noch in Horden auftretende teuflische Gestalten mit aus Zirben- oder Lindenholz geschnitzten Holzmasken und echten Widder, Ziegen- oder Steinbockhörnern sind, die auch gern selbst zuschlagen, kommt der Knecht Ruprecht alleine, teilt die Ruten für unartige Kinder meist nur aus und ist über den gesamten dt. Sprachraum weiter verbreitet als der Krampus. In der Regel ist der bärtige Ruprecht in eine braune / schwarze Kutte gehüllt, trägt am Gürtel eine Rute und auf dem Rücken einen Sack, gefüllt mit Mandarinen, Nüssen, Schokolade, Lebkuchen und kl. Geschenken. Frühere und auch heute noch reg. verbreitete Darstellungen zeigen ihn aber auch fellzottelig und teilweise sogar gehörnt.

In einigen Regionen treten Gestalten mit ähnlicher Funktion, aber anderer Herkunft & Tradition im Gefolge des Ni- kolaus auf: vom Schimmelreiter im früheren Ostpreußen, über den Bullerklas im Norddeutschen, den Dämon Beelzebub, den Pelzebock, den im Rheinland und Teilen des Ruhrgebiets erscheinenden Hans Muff, bis hin zu den vermummten, lärmenden Allgäuer Klausen, die mit ihren fellbedeckten, gehörnten Helmen den Übergang zum Krampusbrauch bilden.

Die dunklen Kumpane unserer Nachbarn...
In Luxemburg wird der düstere Geselle Houseker genannt und in den Niederlanden übernimmt der schwarz getünchte Zwarte Piet in der farbenprächtigen Kleidung des 17. Jh. die Helferfunktion von Sinterklaas und klettert auch gern mal durch die Schornsteine der Häuser. Im Elsass treibt der wüste Hans Trapp sein Unwesen & in der alemannischen Deutschschweiz wird der Samichlaus beim Chlauseslä vom bärtigen, grimmig geschwärzten Schmutzli eskortiert.

                                                …da bleibt nur zu hoffen, dass auch alle recht hübsch artig waren !