Der Traum

Heinrich Hoffmann von Fallersleben 1798 – 1874

Der Traum
©shutterstock Desiree Walstra

 

           Ich lag und schlief; da träumte mir
           ein wunderschöner Traum:
           Es stand auf unserm Tisch vor mir
           ein hoher Weihnachtsbaum.

                               Und bunte Lichter ohne Zahl,
                               die brannten ringsumher,
                               die Zweige waren allzumal
                               von goldnen Äpfeln schwer.

           Und Zuckerpuppen hingen dran,
           das war mal eine Pracht!
           Da gab’s, was ich nur wünschen kann
           und was mir Freude macht.

                               Und als ich nach dem Baume sah
                               und ganz verwundert stand,
                               nach einem Apfel griff ich da,
                               und alles, alles schwand.

           Da wacht’ ich auf aus meinem Traum,
           und dunkel war‘s um mich.
           Du lieber, schöner Weihnachtsbaum,
           sag an, wo find’ ich dich?

                               Da war es just, als rief er mir:
                               ‚Du darfst nur artig sein,
                               dann steh’ ich wiederum vor dir,
                               jetzt aber schlaf nur ein!

           Und wenn du folgst und artig bist,
           dann ist erfüllt dein Traum,
           dann bringet dir der heil’ge Christ
           den schönsten Weihnachtsbaum.’